Brief von Egon Schiele an Marie Schiele
ESDA ID
814
Nebehay 1979
715
Bestandsnachweis
Verbleib unbekannt
Ort
Wien
Datierung
23.11.1914 (eigenhändig)
Material/Technik
Tinte auf Papier
Transkription
23. November 1914.
Liebe Mutter,
Alles, was ich an Gerti
und Peschka schrieb, sollst
Du verstehen und will
ich Dir wünschen. Nur
noch etwas, – Du mußt
erkennen, daß Du als
Mutter bis morgen den
24. November 1914 Deine
Pflicht, so weit es möglich
war, getan hast, – nun
wendet sich das Leben wie
die Zeit und Du mußt der
Jugend den Weg räumen und
alle ihre Ansichten und Taten
erfassen und befolgen; das
ist der Kreislauf des Daseins
das „Neue“ zu fördern
und zu achten – die
||
Vergangenheit ist ohne
Leben, nie daran denken
wie Deine Nächsten
sich einstmals verbündeten,
– dies ist fort und diese Zeit
kommt nie wieder, – nie
ihre Sitten und Gebräuche.
– Gib Gerti manchmal
Anleitungen, – wünsche
ihr das Beste, und erinnere
sie nicht an Unangenehmes.
Mit mütterlicher Liebe als
Selbstzweck stehe ihr bei, helfe
ihr und sie wird Dir dankbar
sein und Dich lieb haben.
Herzlichst
Egon Schiele.
ich komme vielleicht um 5 Uhr.
[Kuvert:]
Frau Marie Schiele
Wien IX.
Liechtensteinstraße 101.
[Adresse durchgestrichen, vermerkt von anderer Hand:]
zurück
[xxx]
[oberhalb, geschr. von Schiele:]
Wien IX.
Liechtensteinstr.[aße] 132.
||
Egon Schiele
Wien XIII.
Hietzinger-
Hauptstraße 101.
[Vermerk von anderer Hand, durchgestrichen und unleserlich]
Liebe Mutter,
Alles, was ich an Gerti
und Peschka schrieb, sollst
Du verstehen und will
ich Dir wünschen. Nur
noch etwas, – Du mußt
erkennen, daß Du als
Mutter bis morgen den
24. November 1914 Deine
Pflicht, so weit es möglich
war, getan hast, – nun
wendet sich das Leben wie
die Zeit und Du mußt der
Jugend den Weg räumen und
alle ihre Ansichten und Taten
erfassen und befolgen; das
ist der Kreislauf des Daseins
das „Neue“ zu fördern
und zu achten – die
||
Vergangenheit ist ohne
Leben, nie daran denken
wie Deine Nächsten
sich einstmals verbündeten,
– dies ist fort und diese Zeit
kommt nie wieder, – nie
ihre Sitten und Gebräuche.
– Gib Gerti manchmal
Anleitungen, – wünsche
ihr das Beste, und erinnere
sie nicht an Unangenehmes.
Mit mütterlicher Liebe als
Selbstzweck stehe ihr bei, helfe
ihr und sie wird Dir dankbar
sein und Dich lieb haben.
Herzlichst
Egon Schiele.
ich komme vielleicht um 5 Uhr.
[Kuvert:]
Frau Marie Schiele
Wien IX.
Liechtensteinstraße 101.
[Adresse durchgestrichen, vermerkt von anderer Hand:]
zurück
[xxx]
[oberhalb, geschr. von Schiele:]
Wien IX.
Liechtensteinstr.[aße] 132.
||
Egon Schiele
Wien XIII.
Hietzinger-
Hauptstraße 101.
[Vermerk von anderer Hand, durchgestrichen und unleserlich]
Anmerkungen
Dieser Brief steht in Zusammenhang mit der Hochzeit von Gertrude Schiele und Anton Peschka, 24. November 1914.
Provenienz
Provenienz lt. Nebehay 1979: Verbleib unbekannt
1989: Sotheby’s, London, Aukt. 18./19.05.1989, lot 326
2023: Christie’s London, Online Auction 14.12.2023, 22135, lot 53
1989: Sotheby’s, London, Aukt. 18./19.05.1989, lot 326
2023: Christie’s London, Online Auction 14.12.2023, 22135, lot 53
Erfasst in
Roessler 1921, S. 33/34
Autor*in
Empfänger*in
Erwähnte Person
Verknüpfte Objekte
(+-)
PURL: https://www.egonschiele.at/814